Welcome to the Moonsorrow Interviews Compilation!
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Sunday, January 10, 2021

Kronen Zeitung / February 2020

 

SOURCE 

 

10.02.2020 06:00 |

Bald live in Wien

Moonsorrow: Mit Pagan Metal in lichte Charthöhen


Seit 25 Jahren verbreiten Moonsorrow Kultur, Kälte und Sagen ihrer finnischen Heimat mittels folkloristisch angehauchtem Black Metal über die ganze Welt. Sänger Ville Sorvali erklärt uns im Interview, warum mit in Finnland mit derart harter Musik in die Mainstream-Charts kommt, wieso englische Texte kein Thema sind und weshalb es für alle gesünder ist, dass der Hauptkomponist der Band nicht mit auf Tour geht. Am 14. Februar spielt die Band im Wiener Viper Room.
Nordländer ticken anders, besonders im musikalischen Bereich. Während sich Metalbands jedweder Couleur hierzulande meist vergeblich abstrampeln und mit sehr wenigen Ausnahmen (Pungent Stench, Harakiri For The Sky, Belphegor) international für Furore sorgen, wird die metallische Härte in Finnland im Übermaß geschätzt. Selbst Popstars wachsen unweigerlich mit harten Gitarrenriffs auf und in den Charts sind Metalalben keine Seltenheit. Davon können auch Moonsorrow ein Lied singen, die mit ihrem bislang letzten Studiorundling „Jumalten aika“ vor mittlerweile vier Jahren erstmals bis an die Spitze vorgestoßen sind. Wohlgemerkt mit keifend-harschen Vocals, Doublebass-Einsatz und brachialer Melodieseligkeit. „Das ist in dieser Form wirklich nur bei uns möglich“, lacht Frontmann Ville Sorvali im „Krone“-Interview, „die Leute bei uns sind ungemein loyal und folgen ihren Bands über Jahre hinweg. Noch nicht einmal in Schweden, wo es wirklich bekannte Metalbands gibt, ist das so ein Thema.“
 

Studio vs. liveVille gründete die Band mit seinem Cousin Henri 1995, war damals zarte 15 Jahre jung. Henri ist das musikalische Mastermind hinter den ausgefeilten und meist überlangen Kompositionen und außerdem ein perfektes Beispiel dafür, wie genreübergreifend und auch klein die Musikwelt in Finnland ist - Ende der 90er-Jahre spielte er für ein paar Konzerte am Keyboard bei den später erfolgreichen The Rasmus. Bei den Liveauftritten von Moonsorrow ist Henri schon lange nicht mehr dabei. „2007 hat Henri sich dafür entschieden, nicht mehr live zu spielen. Das Reisen und die Shows haben ihm keinen Spaß gemacht, er ist eben ein waschechter Studiomusiker. Wir sind innerhalb der Band aber alle sehr gute Freunde und die Entscheidung wurde schon damals akzeptiert. Außerdem muss ich schon ehrlich zugeben, dass es manchmal ziemlich schwierig ist, mit ihm zu arbeiten“, lacht Ville, „auch wenn er hauptverantwortlich für die Songs auf den Alben ist.“

Moonsorrow haben sich früh emanzipiert und waren stets bemüht, das Stigma des „Viking Metal“ abzulegen. Während erfolgreiche Landesgenossen wie Ensiferum, Korpiklaani oder Finntroll gerne über Partynächte und Zwangloses singen, steht bei Moonsorrow die Ernsthaftigkeit im Vordergrund. Die Geschichte Finnlands, die Kälte des Nordens und der Paganismus sind wesentliche Bestandteile des Bandtreibens, wofür das Quintett schon auch einmal vorschnell und fälschlich ins rechte Eck gesteckt wurde. „Vielleicht sind wir einfach dunklere Gesellen, ich weiß es nicht“, lacht Ville, der für einen Finnen erstaunlich gut gelaunt ist, „die Frage hat sich nie gestellt, weil nicht wir den Sound, sondern der Sound uns gewählt hat. Als wir die Band gründeten, waren wir stark vom norwegischen Black Metal beeinflusst und den hörst du auch jetzt noch raus.“ Den Black Metal haben Moonsorrow schon bei den ersten (und immer noch besten) Alben „Suden Uni“ (2001), „Voimasta ja kunniasta“ (2001) und „Kivenkantaja“ (2003) mit folkloristischer Tradition vermengt.
 

Parallelen vorhanden„Bands wie Ulver oder Enslaved waren für uns sehr wichtig, weil sie ihren brutalen Grundsound immer mit wunderschönen Melodien kreuzten. Wir wussten zwar früh, dass wir das auch können, brauchten aber lange, um die richtige Ausrichtung für uns zu finden.“ So streng wie viele Fans sieht Ville Sorvali die Unterschiede zwischen ernsthaften und weniger ernsthaften Paganmetal-Bands aus seiner Heimat aber nicht. „Es gibt zwischen uns beiden mehr Parallelen, als viele glauben würden. Wir haben auch viele Konzerte und Festivals mit diesen Humppa-Bands gespielt, die Menschen dahinter sind großartig und wir hatten stets eine gute Zeit. Wir sind wie zwei Seiten einer Münze. Zugegeben: zwei extrem verschiedene Seiten.“ 
 
Den Zusatz „Epic“ hat sich die Band durch ihre ausufernden Songs schon vor langer Zeit redlich verdient. Der Höhepunkt war das Epos „V: Hävitetty“, das aus zwei je halbstündigen Songs bestand. „Das ist eigentlich kein Problem. Uns fällt es wesentlich schwerer, kürzer und kompakter zu komponieren“, lacht Ville, „der Song ,Suden Tunti‘ von unserem aktuellen Album ist aber immerhin unter der Zehn-Minuten-Grenze geblieben, was man bei uns durchaus als kurz bezeichnen kann.“ Bis auf die frühen Anfangstage, wo man textlich auf Englisch experimentierte, singen Moonsorrow mittlerweile seit mehr als 20 Jahren konstant in ihrer Landessprache. „Die Sprache ist ein essenzieller Teil des gesamten Bandkonzepts und eigentlich hat bei uns keiner jemals wirklich darüber nachgedacht. Nur so kann ich mich wirklich ausdrücken und vermitteln, was mir wichtig ist. Für mich selbst ist es schwerer, weil ich mich nackter fühle und mich nicht hinter einer Fremdsprache verstecke, aber anders könnte ich gar nicht texten.“
 

Natur vor PolitikTextlich bleibt vielen zudem verborgen, dass sich Moonsorrow nicht nur um Mythen und Sagen längst vergangener Zeiten kümmern, sondern durchaus auch Zeitgeistiges hineinvermischen. „Das müssen die Hörer am Ende schon selbst herausfinden. Ich singe definitiv nichts Politisches, aber natürlich bewegen mich die aktuelle Lage des Weltgeschehens und die Zukunft der Menschheit. Die Beziehung zwischen Natur und Mensch besorgt mich persönlich einfach mehr, als jene von politischen Fragmenten.“ Am 14. Februar sind Moonsorrow für eine exklusive Show auch endlich wieder in Österreich zu sein. Und zwar mit Waldschrat und Jorrvaskr im Wiener Viper Room. Mehr Infos und Karten erhalten Sie unter www.oeticket.com.

Saturday, June 25, 2016

Metal News / March 2016



SOURCE

Interviewpartner: Ville Sorvali

Mir gegenüber sitzt, in einem Raum des Dortmunder Century-Media-Büros, MOONSORROW-Bassist und -Sänger Ville Sorvali. Im Schlabbershirt, mit Peter Tägtgren-Gedächtnisaugenringen von Kurzbesuchen in Finnland und auf irgendeiner Metalkreuzfahrt, aber trotzdem Feuer und Flamme für sein neues Album „Jumalten Aika“.




Ville, deine Labelmitarbeiter haben mir vorhin erzählt, dass du ein paar sehr stressige Tage und viele tausend Kilometer in Flugzeugen hinter dir hast. Promotest du das neue Album alleine?

Nein, ich bin zwar alleine hier, aber unser Gitarrist hilft zu Hause und beantwortet dort ebenfalls ein paar Interviews.


Findest du, dass „Jumalten Aika“ ein Album ist, das leicht zu promoten ist?

Ja! Einfach deshalb, weil ich sehr dahinter stehe, und natürlich bewirbt man etwas leichter, wenn man es absolut vertreten kann.


Bei manchen Alben fällt es einem als Journalisten leicht, bei manchen schwer, etwas zu einem Album zu fragen. Bei eurer neuen Platte ist das nicht allzu schwierig.

Das Album ist vielleicht wirklich relativ gut zugänglich. So haben wir das auch gewollt, wir wollten bewusst Songs schreiben, die auch für sich gut funktionieren, die man sich gut alleine anhören kann. Selbstverständlich würde ich jedem raten, das ganze Ding am Stück zu hören, aber es muss diesmal nicht zwingend so sein.


Ihr habt fünf Jahre für dieses Album gebraucht, länger als für jedes andere zuvor.

(überlegt kurz) Stimmt, tatsächlich.


Hat das etwas mit dem riesigen LP-Boxset mit euren gesammelten Werken zu tun, das ihr via Blood Music veröffentlicht habt?

Nein, gar nicht, das haben wir nebenbei gemacht. Das eigentliche Problem war, dass wir während der Arbeit am neuen Material – zum Glück früh genug – gemerkt haben, dass wir diese Art Musik einfach nicht mehr machen wollten. Deshalb haben wir dann irgendwann komplett von vorne angefangen.


Das ist überraschend. Und die ganzen Songs aus dieser Zeit habt ihr komplett verworfen?

Ich glaube, wir hatten gar keine ganzen Songs, nur einzelne Ideen, die wir einfach nicht mochten. Das klang im Grunde sogar gut, aber einfach nicht nach dem, was wir dieses Mal machen wollten.


Zu sehr nach MOTÖRHEAD, oder was?

(kichert) Mhh, ich weiß es nicht mehr, aber ich denke nicht, dass es nach MOTÖRHEAD klang.


Ich assoziiere Musik sehr mit Farben. Ist das etwas, das du verstehen kannst? Und falls ja, mit welcher Farbe würdest du die neue Platte in Verbindung bringen?

Ich bin eher ein Mensch, der, wenn er Musik hört, sie visualisieren kann, ihr irgendeinen bildhaften Ausdruck verleihen kann. Aber ich denke nicht unbedingt in Farben, nein. Und wenn… (überlegt eine Weile)… schwarz?


Falls es dich interessiert: Für mich klingt das Album nach einem sehr dunklen, erdigen Grau, verbunden mit einem glimmenden, feurigen Rot. Kannst du das nachvollziehen?

Schon, ja! Irgendetwas brennt darin, wenn man das so sagen kann.


Und was ist es, das da brennt?

Schwer zu sagen, aber es steckt in den rohen Black-Metal-Parts, glaube ich. Klar, wir sind keine Black-Metal-Band, aber du weißt, was ich sagen will – das Furiose, die rohe Energie, die darin zum Ausdruck kommt.


Ihr habt im Grunde als Black-Metal-Band angefangen, wart dann sehr lange in der Pagan-Metal-Szene sehr erfolgreich, und seid nun im Grunde wieder im Black Metal angekommen. Ist Black Metal eine reifere Ausdrucksform als Pagan?

Im Grunde würde ich uns immer noch als Pagan-Metal-Band bezeichnen, thematisch und auch was das Gefühl dahinter angeht. Aber diese Black-Metal-Sache sitzt so tief in uns, dass das immer wieder an die Oberfläche kommt.
Was diese sogenannten erfolgreichen Alben angeht… wir hätten einfach in dieser Weise weitermachen können, das hätte sicher funktioniert, wir hätten damit mehr Hörer gehabt, vermute ich. Aber wir wollten es lieber auf die harte Tour und etwas anderes machen.


Henri hat im Presseinfotext geschrieben, das Album enthalte eine „ungezügelte Aggression“. Kommt die nur in diesen düsteren Parts zum Ausdruck?

Für mich ist sie überall. Alleine darin, wie wir gespielt haben, aber für mich vor allem auch in meinen Vocals, auf die ich sehr stolz bin. Im Grunde kommt diese Aggression überall in diesem Album zum Ausdruck. Besonders wohl auch in den Folk-Parts – die sind für Hörer, die das nicht gewohnt sind oder eine bestimmte Vorstellung von Folkmusik haben, sehr ungeschliffen und schlicht. Zumindest sind sie nicht so lustig, wie man das oft im Pagan Metal hört, hehe.


Für die Vorbereitung auf dieses Interview habe ich mir auch nochmal eure älteren Alben angehört. Im Vergleich zu zum Beispiel dem „Voimasta...“-Album geht ihr mit den Folkelementen heute vollkommen anders um. Wie versucht ihr eure Folk-Einflüsse heute umzusetzen?

Wir sind ja auch andere Menschen, das ist immerhin fünfzehn Jahre oder so her. Im Grunde versuchen wir gar nichts, das passiert einfach. Diesmal wollten wir einen sehr urwüchsigen Zugang haben, wir haben uns überlegt, wie das die Menschen vor Jahrhunderten gemacht hätten, als das Klima rauer war und jeder schlecht drauf. (lacht) Vor fünfzehn Jahren hatten wir einfach nicht die Instrumente dafür, um so tief zu reichen, auch nicht das Wissen darüber, wie man das machen kann. Na ja, wir waren eben jünger. Zwar wollten wir das damals auch, und ich finde es nachwievor gelungen, was wir damals gemacht haben, aber heute haben wir eben auch andere Möglichkeiten. Zudem… wir werden nie zweimal dasselbe Album machen, wir möchten immer etwas Neues aufnehmen.


Ein großer Unterschied in dieser Hinsicht ist für mich auch, dass ihr damals viel mit Keyboards gearbeitet habt, wohingegen ihr heute einen authentischeren Ansatz verfolgt.

Offengestanden kommt immer noch eine Menge aus der Dose, aber das Magische ist, dass die Software mittlerweile so gut ist, dass man nie genau sagen kann, ob etwas echt ist oder nicht, hehe. Wir haben auch echte Instrumente…


… die Maultrommel zum Beispiel?

Genau, die kann man nicht simulieren, da fehlt der Klang des Atmens und so.




Ihr beide, Henri und du, kommt als Cousins aus einer Familie. Ist das eine Familie, in der Folklore, musikalisch wie textlich, immer eine große Rolle gespielt hat?

Ich bin mir nicht recht sicher, woher die Folklore-Geschichten kommen, aber die musikalische Seite rührt definitiv von unseren Familien her, besonders aus Henris. Sein Vater war ein sehr berühmter Schlagzeuger, und meiner ein sehr enthusiastischer Amateur im gesamten musikalischen Bereich, zum Beispiel auch im Sound-Engineering. Wir haben zu Hause schon immer sehr viel Musik gehört. Henri hat zum Beispiel schon mit vier angefangen, Klavier zu spielen. Wirklich ernsthaft angefangen zu spielen haben wir, als wir unser letztes Demo veröffentlichten, das war 1998 oder 1999. Zu dieser Zeit haben wir noch zu zweit alles aufgenommen, Henri hat alle Instrumente gespielt und den Drumcomputer programmiert, ich habe gesungen. Eines Tages sagte er „ich denke, du spielst ab jetzt Bass!“ - da habe ich eben angefangen, Bass zu spielen. (lacht)


Für uns Deutsche ist es immer ein bisschen unglaublich, dass irgendwie jeder in Skandinavien singen und Instrumente spielen kann.

Das weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Ich kann zum Beispiel nicht gut klar singen.


Vielleicht nicht im Direktvergleich mit Pavarotti, aber trotzdem…

Auch nicht im Direktvergleich zu meinen Bandkollegen. Die Chöre im Studio machen wir zum Beispiel alle zusammen, und live versuchen der Drummer und die beiden Gitarristen, sechs Schichten von Chören zu dritt so gut es geht zu reproduzieren, hehe.


Ich habe kurz vor dem Interview noch die Übersetzungen der finnischen Lyrics des Albums bekommen. Sofern ich das bis jetzt beurteilen kann, interpretiert ihr darin die klassischen Sagen des skandinavischen Heidentums, wie die von Ragnarök, Mimirs Brunn und dergleichen, auf eine sehr basale, menschennahe und irgendwo auch realistische Weise.

Einige rein finnische Sagen auch, ja. Aber im Grunde hast du völlig recht. Wir wollten unsere eigenen Versionen oder Interpretationen dieser alten Geschichten schaffen, uns überlegen, was die Menschen damit zu dieser Zeit gemeint haben könnten.


Wie interpretiert ihr denn Ragnarök, den Untergang der Welt, auf eure Weise?

So viel Zeit haben wir leider nicht! (lacht) Das Ende der Welt ist in allen religiösen Systemen überall auf der Welt ein Thema. Ich glaube, es meint eben auch das Ende der Welt. Den Menschen war natürlich klar, dass es einen Anfang gab, denn sie lebten, sie existierten ja, also muss es auch einen Beginn der Welt gegeben haben, etwas, das sie erschaffen hatte – und damit logischerweise auch ein Ende der Welt. In vielen religiösen Systemen formt das Leben einen Kreislauf, es endet und beginnt dann wieder von Neuem.


Das Symbol des Kreislaufs habt ihr in den Texten des Albums sehr häufig benutzt. Ein Ausdruck wie „der Erschaffene erschafft seinen eigenen Erschaffer“ oder „die Zeit beginnt vor der Zeit“ sind geradezu beispielhaft dafür.

Ja, dafür,wie sie die Welt gesehen haben mögen. Das repräsentiert ja im Grunde nichts anderes als den Kreislauf von Leben und Tod, oder noch etwas einfacher, die Jahreszeiten beziehungsweise den Weg der Erde um die Sonne, von dem die Menschen damals ja noch gar nichts wussten. Sie wussten nur, dass die Sonne hier aufging und dort unter, und dass sie am nächsten Tag wieder da war. Demzufolge musste sie unter der Erde, unter dem Meer hindurchwandern.


Die Übersetzung des Titels „Jumalten Aika“ ist „Das Zeitalter der Götter“, die des letzten Songs „Zeitalter der Menschen“. Der im Grunde mittlere, dritte Song heißt übersetzt „Die Stunde des Wolfes“, der das Thema Ragnarök aufgreift. Ist es Zufall, dass das Ende der Welt mittig zwischen dem Zeitalter der Götter und dem der Menschen steht?

Ja, das ist mehr oder weniger Zufall. Mein Plan war, nur den ersten und den letzten Song miteinander in Bezug zu setzen, und alles andere durch diese beiden Stücke zu verbinden. Der Song ist deshalb in der Mitte, weil wir ihn eben da wollten, hehe. Aber er passt ja auch da hin.


Was ist denn der Unterschied zwischen dem Zeitalter der Götter und dem der Menschen?

Das Zeitalter der Götter ist ein Zeitalter, in dem die Götter Menschen erschufen, die dann Geschichten darüber schrieben, wie die Götter sie erschufen, und damit die Götter selbst erschufen. Im Gegensatz dazu ist das Zeitalter der Menschen das, in dem die Menschen die Götter vergessen haben, ohne sie leben – gottlos im Grunde - und sich am Ende damit zerstören.


Henri schreibt in seinem Presseinfo, die Texte behandelten etwas, das „unser Blut und unseren Boden nie verlassen hat“.

Er meint damit, dass es um die Denkweise unserer Vorfahren geht, wie sehr sie mit ihrer Umgebung verbunden waren, vor allem mit den Kräften der Natur und der Tatsache, dass man gegen sie nichts unternehmen und sich nur an sie anpassen konnte. Die meisten Menschen haben das vergessen. Wir sitzen hier zum Beispiel in einem Raum, der absolut nichts mehr aus diesen Zeiten hat. (zeigt auf eine prall gefüllte Obstschale) Sogar diese Früchte dort wachsen nicht auf finnischem Boden, nicht mal auf deutschem, sondern werden importiert. Das „hat niemals unser Blut verlassen“ heißt, dass es immer noch Menschen gibt, die sich aktiv versuchen daran zu erinnern, wie Menschen damals gelebt haben, die sich an ihr Wissen und ihre alltäglichen Verhaltensweisen erinnern wollen, auch wenn die Umgebung eine ganz andere war als heute.


Gibt es denn in eurer Umgebung noch Menschen, die versuchen, so zu leben wie vor tausend oder zweitausend Jahren?

Nicht viele, würde ich sagen. Die meisten Finnen leben mittlerweile in Städten, hehe. Es geht mehr um die Denkweise, alte Weisheit um die und Respekt vor den Kräften der Natur. Das fängt schon damit an, dass ich zum Beispiel nichts tun möchte, um der Natur aktiv zu schaden. Wir glauben vielleicht, wir hätten fließendes Wasser und Elektrizität und all das… aber wenn uns die Natur mal wirklich richtig eins reinwürgen will, ist's damit sehr schnell vorbei.


Du weißt aber schon, dass der Ausdruck „Blut und Boden“ ein wenig unglücklich gewählt erscheint für uns Deutsche?

(rollt ein wenig mit den Augen) Ja, das weiß ich. Ich musste das schon mehrfach erklären. Aber es geht uns hier um Dinge, die sehr sehr viel älter sind als irgendwelche 1930er Jahre. Das sind Ausdrücke, die sich diese Leute ja auch nicht ausgedacht haben, die haben sie sich ja auch gestohlen, wie vieles andere.


Ja, aber das sind Dinge, die man vielen Menschen leider erklären muss.

Das verstehe ich, ich bin des Erklärens nur ein wenig müde. Wir haben mit Politik überhaupt nichts am Hut.


Da habt ihr immerhin den Vorteil, dass so gut wie niemand Finnisch versteht und ihr im Grunde schreiben könntet, was ihr wollt, hehe. Habt ihr niemals über englische Texte nachgedacht?

Das ist mir schon klar, ja. Finnische Texte sind einfach ein wichtiger Bestandteil dieser Band, wir machen das einfach etwas anders als andere. Das hat auch eine spirituelle Seite. Wir möchten das so, wir möchten die Quelle unserer Inspiration damit respektieren, und das ist eben Finnland.
Denk' mal daran, dass damals in den frühen Neunzigern die ganzen Norweger auch alle auf Norwegisch gesungen haben. Das hat niemanden interessiert, zumindest nicht negativ. Im Gegenteil, das hat die Kids interessiert, das hat fanden sie spannend, dass jemand da etwas auf seine Weise tut.


Das tut ihr sicherlich heute auch, ja. Eine der ersten Liveshows, die ich von euch bewusst gesehen habe, war auf dem Ragnarök-Festival. Ich erinnere mich daran, wie du auf die Bühne kamst und sagtest „so Leute, wir sind MOONSORROW, und wir spielen jetzt das ganze neue Album von vorne nach hinten, egal, was ihr davon haltet“. Das hat mich beeindruckt. Kümmert es euch nicht allzu sehr, was das Publikum von euch erwartet?

Die Erwartungen interessieren uns wirklich nicht so sehr, nein. Natürlich interessiert uns unser Publikum, das sind immerhin die Menschen, die uns ermöglichen, das zu tun, was wir tun, die Tickets kaufen, um uns zu sehen. Wir können nur nicht jedem versprechen, dass wir seine Lieblingssongs spielen, das geht eben nicht.


Bei Songs, die sich selten unter einer Viertelstunde Länge befinden, stelle ich es mir sowieso recht schwer vor, eine Setlist zusammenzustellen.

Das ist in der Tat seeeeehr kompliziert. Nicht nur, weil die Songs so lang sind, sondern weil wir ja auch eine dynamische Setlist wollen, was es bei der immensen Songlänge doppelt schwer macht. Das ist eine Kombination aus Kunst und Mathematik. Wenn wir beispielsweise eine Stunde spielen, und dafür eine gute Setlist haben, die dann aber fünf Minuten zu lang ist, müssen wir wieder einen Song kürzen. Dann ist die Show vielleicht drei Minuten zu kurz, das geht gerade noch. Dann ist es vielleicht aber keine dynamische Reihenfolge mehr. Schwierig, schwierig.


Die Kombination kommt dir ja sicher bekannt vor, du hast Mathematik studiert und wolltest ein Lehramt anstreben, richtig?

Das ist schon lange her, ja, hehe. Ich habe sogar ein paar Jahre lang als Lehrer gearbeitet. Aber das ist einfach nicht mein Ding gewesen, vor allem die Stunden im Büro, das war einfach nichts für mich.


Denkst du, dass mathematisches Denken und sehr emotionale Musik zusammenpassen?

Musik ist sogar ein wenig wie Mathematik. Ich bin zum Beispiel ein eher rhythmischer Typ, ich habe relativ wenig Sinn für Melodie. Das ist durchaus Mathematik. Ich habe allerdings das perfekte Gegenargument dafür, dass das zusammenpasst: Meine guten Freunde von INSOMNIUM sind vermutlich die akademischste Band, die es gibt, sie sind alle Professoren für irgendwas und machen trotzdem sehr berührende Musik. Also, das passt schon.


Im Anschluss an diese Promotage werdet ihr bald auf Tour sein, zusammen mit KORPIKLAANI. Leider gibt’s kein einziges Konzert in Deutschland. Hasst ihr dieses Land so sehr?

Ganz im Gegenteil, wir lieben dieses Land! Das Routing ist allerdings etwas, das ein weiser Mann für uns gemacht hat, also…


Viel Spaß trotzdem, und für alle eure deutschen Fans: Zumindest auf dem Dark Troll-Festival Anfang Mai gibt’s die Gelegenheit, euch zu hören. Danke für deine Zeit!
Florian Dammasch
Autor: Florian Dammasch [Alboin] | 23.03.2016 | 19:53 Uhr

Thursday, October 15, 2015

Metal.de / May 2008



SOURCE


Moonsorrow
Mit ihrer eigenwilligen, höchst imposanten Mischung aus dem Black Metal der Neunziger Jahre, ursprünglichem Viking Metal der Marke BATHORY, traditionellen finnischen Folkloreklängen sowie progressiven Rock Sound der Siebziger haben sich MOONSORROW bereits vor Jahren nicht nur ihre eigene Nische im Pagan Metal geschaffen, sondern wurden mit ihren epischen, intensiven und dramatischen Stücken zu einer der Vorreiterbands. Auch ihre mit 68 Minuten eigentlich überlange neue EP "Tulimyrsky", welche jüngst in Finnland auf Platz 2 der Charts schoss, untermauert dies eindrucksvoll, wobei vor allem der monumentale, übermächtige Titelsong heraussticht. Gerade von ihrer Europatour zurückgekehrt, beantwortete Sänger und Bassist Ville Sorvali die Fragen zur neuen Veröffentlichung, allerdings auch zu den jüngsten Anschuldigungen einiger Verblendeter. Enter the fire! Eure neue EP "Tulimyrsky" ist um die 68 Minuten lang, womit diese sogar so manches Album an Spielzeit bei weitem übertrifft. Worin lagen die Gründe, diese EP zu veröffentlichen?

Wir wollten etwas anderes machen, bevor wir mit den Arbeiten für unser sechstes Album beginnen. Die Idee für das Stück "Tulimyrsky" trugen wir bereits sehr lange Zeit in uns, und auch das METALLICA Cover hatten wir bereits fertig. Wir entschieden uns dazu, beides zusammen zu nehmen und weiteres Material, den Demosongs und dem Cover von MERCILESS, hinzuzufügen, um ein interessantes Gesamtpaket zu erschaffen.

In welchem Zeitraum wurde das intensive, epische und monumentale Stück "Tulimyrsky" geschrieben und arrangiert, und worum geht es inhaltlich? War es geplant, dass der Song so lange wird?

Die Idee zu diesem Song bestand lange Zeit, sie gärte bereits seit Jahren in unseren Köpfen, aber wir fingen nicht vor dem Spätjahr 2007 mit dem Songwriting an. Wir schrieben das Stück innerhalb weniger Monate, es wurde genau einen Tag vor dem Studiotermin fertig, es bestand also keine Zeit, den Song zu proben.

Die Texte sind eine Fortsetzung der Geschichte von "Voimasta ja kunniasta", wo das Dorf des Protagonisten zerstört wurde; in "Tulimyrsky" unternimmt dieses Dorf einen Angriff, um sich für die Zerstörung zu rächen. Es war definitiv nicht geplant, dass das Stück 29 Minuten lang sein wird, aber nachdem wir zuerst die Geschichte niederschrieben, musste die Musik dem Verlauf der lyrischen Charakter folgen, wodurch es letztendlich wurde, wie es ist.

Die Songs "Taistelu Pohjolasta" vom Demo "Tämä Ikuinen Talvi" von 1998 und "Hvergelmir" vom 1997er Demo "Metsä" sind Neuaufnahmen. Wann und wie kam es zu der Idee, diese Stücke neu aufzunehmen? Gibt es noch weitere Songs von diesen Demos, welche ihr neu aufnehmen könnt, oder ist nun bereits alles veröffentlicht?

Die Fans haben bereits seit langer Zeit nach den Demos gefragt, aber wir wollten sie rar halten und sie nicht einfach in ihrer originalen Form wieder veröffentlichen. Als die Möglichkeit für diese EP kam, entschieden wir uns dazu, die beiden Demosongs neu aufzunehmen, welche uns am Besten gefallen, um jedem zu zeigen, wie MOONSORROW begannen. Es gibt noch mehr unveröffentlichte Stücke auf beiden Demos, aber wir haben über weitere Neuaufnahmen noch nicht nachgedacht.

Daneben hattet ihr ja noch zwei weitere Demos, welche niemals veröffentlicht wurde. Werden Stücke aus diesen jemals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?

Höchstwahrscheinlich nicht. Das erste Demo "Thorns Of Ice" ist verschwunden, und das ist wirklich wahr. Es ist eine Schande, ich würde es selbst wirklich sehr gerne hören. Und unser "Promo" Tape ist so fürchterlich verzerrt, dass wir, verurteilt wegen Folter, ins Gefängnis gehen müssten, sollten wir es jemals veröffentlichen.

Wie kam es zu dem verrückten Klang des Gesangs auf dem "Metsä" Demo und weshalb findet sich dieser auf keinem weiteren Release?

Hehe, da musst du Henri (Sorvali, Keyboard und Gitarre, Anmerk. d. Red.) fragen. Er dachte, es wäre eine gute Idee, den Gesang drei Halbtöne höher zu stimmen. Wir taten das danach nie wieder, da wir es für keine gute Idee hielten.

Überraschenderweise befinden sich auf der EP Coverversionen von METALLICAs "For Whom The Bell Tolls" und MERCILLES "Back To North", welche nun beide im typischen MOONSORROW Stil klingen. Weshalb wurden gerade diese zwei Bands und Songs gewählt, was bedeuten euch diese Gruppen?

Das METALLICA Cover wurde bereits 2005 aufgenommen, wir wollten es hauptsächlich verwirklichen, da Henri bereits das Arrangement des Songs fertig hatte und wir dachten, dass es sehr cool klingt. Außerdem hielten wir es für eine interessante Sache für die Fans, etwas zu covern, was sie nicht erwarten. METALLICA waren zweifelsohne für alle von uns ein riesiger Einfluss, als wir noch Jugendliche waren.

MERCILESS hatten ebenfalls einen großen Einfluss auf uns, und da wir bereits früher einige Male "Back To North" bei Auftritten gespielt hatten, wollten wir diese Hommage an diese unglaubliche Band machen und das Stück aufnehmen.

Welche Gründe gab es, dass die EP von Ende März auf Ende April verschoben wurde?

Wir waren ein wenig spät in unserem Zeitplan, daher empfahl uns die Plattenfirma, die Veröffentlichung ein wenig nach hinten zu verschieben, damit sie sich genügend um das Marketing kümmern können.

Anstelle wie eure anderen Alben, welche in den Tico Tico Studios aufgenommen wurden, entstand die EP im JiVe Studio. Weshalb der Wechsel?

Wir wollten die EP zu einem günstigen Preis veröffentlichen, daher hatten wir im Gegenzug auch nicht so viel Geld für die Aufnahmen zur Verfügung. Tico Tico ist weit weg, es entstehen hohe Kosten für die Anreise und das Hotel, während sich das JiVe in unserer Heimatstadt befindet, so dass es für uns alle sehr einfach ist, dorthin zu kommen, und wir können zu Hause schlafen. JiVe ist auch noch das Studio unser Live-Tontechnikers Jukka Varmo, welcher wir sehr vertrauen, und wir wollten auch mal versuchen, mit ihm etwas aufzunehmen.

Kommen wir zurück auf euer letztes Album "Viides Luku - Hävitetty", welches ja wirklich durch die Bank fantastische Reviews erhielt. Bist du mit diesem Werk noch immer vollkommen zufrieden oder hat sich im Laufe der Zeit etwas herauskristallisiert, das du gerne ändern würdest?

Natürlich gibt es immer einige Dinge, die ich anders machen würde, hätte ich zu dem Zeitpunkt das Wissen, aber für die Zeit war "Viides Luku - Hävitetty" genau so, wie wir es wollten. Abgesehen vom Sound, welcher mir schon damals nicht gefiel.

Ich denke, "Viides Luku - Hävitetty" war das bisher komplexeste und progressivste Album von MOONSORROW!

Definitiv. Wir wollten etwas Massives versuchen, und ich schätze, es ist uns gut gelungen.

Während ihr die Songs für das Album geschrieben habt, war es von Anfang an klar, dass es im Endeffekt zwei solche lange, epische Stücke werden, oder wuchsen sie immer weiter?

Eigentlich planten wir etwas komplett anderes, aber wie immer, übernahm der Prozess des Songwritings das Zepter und wir konnten es nicht kontrollieren. Als Henri das Intro für den ersten Song fertig hatte, welches ich glaube 6 Minuten andauert, realisierten wir, dass das Stück nicht kürzer werden kann.

Ich weiß, dass das totaler Blödsinn ist, aber sicherlich wird dieses Interview auch von Leuten gelesen, welche MOONSORROW noch nicht oder nicht gut kennen und eventuell von den Gerüchten und Anschuldigungen der letzten Zeit etwas mitbekommen haben. Ich bitte um euer Statement bezüglich der Anschuldigungen durch die ANTIFA und BIFF, dass MOONSORROW eine faschistische, rassistische Band wären!

Wir sind keine Nazi-Band, wir haben überhaupt nichts mit Politik zu tun und wir unterstützen die totale Redefreiheit. Die uralten Pagan Symbole, welche wir benutzen, sind ebenfalls keine faschistischen Symbole. Sie wurden von faschistischen Regimes gestohlen und für hasserfüllte Ziele missbraucht. Jeder, der das nicht weiß, ist ein ungebildeter Idiot.

Gut gebrüllt Löwe! Auf ihrer letzten Europa-Tour hatten IMPALED NAZARENE ja leider ganz schön heftige Probleme diesbezüglich mit der ANTIFA, weshalb sogar einige Shows abgesagt werden mussten. Hattet ihr auch so große Probleme während eurer Paganfest Europa Tour?

Nein, hatten wir nicht. Wir mussten einige Statements veröffentlichen, um uns vor den falschen Anschuldigungen zu verteidigen, aber weiter hatten wir keine Probleme. Die ANTIFA drohte uns mit einer Demonstration in Berlin, aber letztendlich waren da nur wenige Polizisten welche aufpassten, dass alles in Ordnung ist. Durch die ganze Geschichte, die ganze Auseinandersetzung, erhielten wir gute Aufmerksamkeit, und eine Berliner Zeitung schrieb sogar einen positiven Artikel über uns. Ich hoffe, dass nun allen klar ist, dass wir keine faschistische Band sind, ich musste das nun schon so oft sagen.

Wie war diese Tour, wie waren die Reaktionen der Fans? Welche Beziehung hattet ihr zu den anderen Bands ENSIFERUM, KORPIKLAANI, ELUVEITIE und TYR?

Die Tour war ein großer Erfolg für alle Bands, wir hatten zusammen eine gute Zeit. Die Hälfte der Konzerte war ausverkauft, und das Publikum zeigte überall seine Wertschätzung. Ich denke, alles in allem war das eine gute Zusammenstellung. Wir haben uns mit den anderen Bands angefreundet und bleiben in Kontakt, während die anderen die Tour in Amerika fortsetzen.

Wo wir gerade über dem großen Teich sind, wie waren denn die Shows in Kanada? Was kannst du uns über die dortige (Pagan) Metal Szene erzählen?

Ich kenne leider die Szene Kanadas überhaupt nicht, aber unsere Erfahrungen dort waren extrem gut. Alle unsere Shows hatten zwischen 200 bis 500 Besucher, mit einer Ausnahme, wo vielleicht 10 Leute erschienen. Das Publikum war wirklich verrückt. In Quebec sang das Publikum vor dem Konzert, es war wie wenn man zu einem Fußballspiel kommt. Die Reise selbst war ebenfalls eine tolle Erfahrung, wir sahen viel vom Leben in Kanada, speziell in der Gegend von Quebec.

Was bedeutet es für dich, Teil einer Pagan-Metal-Band zu sein?

Pagan Metal ist ein wichtiger Bestandteil meiner Identität, und ich bin stolz darauf, Teil einer so erfolgreichen Band zu sein. Als wir MOONSORROW gründeten, hätten wir niemals daran gedacht, dass wir so weit kommen, aber wir hatten unser ganzes Herz in dieser Musik, da wir daran wirklich glaubten. Unsere Botschaft beinhaltet Dinge, die uns wirklich etwas bedeuten, gegen die moderne, materialistische Gesellschaft und religiösen Fanatismus.

Wie beurteilst du die heutige Pagan/Viking-Metal-Szene?

Die Szene ist nun bereits seit einigen Jahren ganz schön groß, ich dachte eigentlich, sie würde wieder etwas kleiner werden, aber sie tut es nicht. Die meisten Bands der Szene interessieren mich einfach nicht, aber es gibt einige wenige wirklich gute. Wie TYR, welche ich immer für ihren originellen Sound und ihre profunde Annäherung Pagan zu sein bewunderte. Alles in allem denke ich, dass diese Szene gut daran tut, die Botschaft zu verbreiten, welche die Leute wirklich hören sollten; Respekt für die Natur, Stolz für seine Wurzeln haben, mit anderen in Frieden leben.

Am Ende des Interviews möchte ich dich bitten, zu den genannten Worten das zu antworten, was dir als erstes in den Sinn kommt!

Quorthon / BATHORY

Das große "B", eine der einflussreichsten Bands in der Geschichte des extremen Metals!

PRIMORDIAL

Die beste Pagan-Metal-Band der Welt! Vielleicht sogar die beste Band von allen.

MANOWAR

Kings Of Metal. Sie haben sogar BATHORY beeinflusst, hehe.

Deutsches Bier

Abgesehen von Jever ist jedes deutsche Bier gut.

Humppa

Absolut nicht mein Ding, definitiv.

Englische Songtexte

Es fällt einfacher, idiotisches Zeug in Englisch als in der Muttersprache zu schreiben.

Satan

Freier Geist.

Metal

Nichts, wofür man stirbt, aber nahe dran.

Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!

Ich danke dir, und vielen Dank an alle, die uns während der Paganfest Tour durch Europa unterstützt haben. Wir sehen uns beim nächsten Mal!

My Revelations / Late 2003



SOURCE

Late 2003 or early 2004. The Suden uni re-release date was December 8th 2003.


Durch die Wiederveröffentlichung des Debutalbums "Suden Uni" wurde ich auf die finnischen Metaller Moonsorrow aufmerksam. Eine Band, die eigentlich nicht kategorisiert werden dürfte und mit ihrer Mischung aus Black, Death, Folk und klassischen Metal mit finnischen Texten so erfrischend anders daher kommen.
Die Geschichten aus früheren Zeiten, welche Erinnerungen an Bathory oder Falkenbach (auch musikalisch) hervor rufen, sind durch den Abdruck der englischen Übersetzung im Booklet auch zu verstehen. Ich traf Sänger Ville und Drummer Marko im Spinefarm Records-Büro in Helsinki, wo die Jungs mir nett Auskunft gaben über das Phänomen Moonsorrow.

Hi Jungs!
Die wichtigste Frage für mich zuerst: Warum singt ihr in finnisch?
V: Es ist eine wunderschöne Sprache und das komplette Konzept passt gut zur finnischen Mentalität, daher ist es sehr natürlich in finnisch zu singen.
Okay, lasst es mich so sagen, ihr habt fünf Millionen Finnen und wir Deutschen haben 88 Millionen Einwohner im Land. Für eine Metalband ist der Markt sehr klein bei euch in der Heimat...
Moonsorrow - Klick! V: Aber es interessiert uns einen Scheiß. Hahahaha.
Ist es negativ für euch, wenn einige Leute sagen, wir verstehen nichts?
M: Wir haben immer eine englische Übersetzung in den Alben drin! Natürlich verstehst du beim Hören nichts, aber Du kannst es nachlesen.
Pech, wenn man nur eine Promo hat! Das hat mir auch keiner gesagt. Glaubt ihr, dass ihr jemals eine englische Platte heraus bringen werdet?
V: Ich denke nicht, dass wir das ändern werden. Wir bleiben beim finnischen. Wir fühlen uns nicht so, dass wir unbedingt mehr Leute ansprechen wollen.
Wie akzeptieren denn Finnen Moonsorrow, da ihr ja in finnisch singt?
M: Ich glaube wir sind recht populär im Moment in Finnland. Wir haben jetzt glaube ich unseren Zenit erreicht, wo wir nicht mehr wachsen können. Ich weiß nicht, ob wir je mehr Album verkaufen können in Finnland. Unser Markt ist deshalb wohl auch viel das Ausland.
Wir sind nicht wie du sagtest Happy Shit Metal. Das verkauft sich ungemein gut in Finnland. Ich zähle Moonsorrow nicht dazu, wir verkaufen nicht so viele wie diese Bands und da sind wir stolz drauf.
Das erste Mal als ich in Finnland das Radio anmachte, liefen Edguy aus Deutschland. Bekommt ihr auch Airplay in Finnland?
M:Nein! Wir haben nur ein oder zwei Metal-Sendungen wie z.B. Metal Union, welche Sonntag Nachts läuft. Jedes mal wenn wir ein neues Album heraus bringen, spielen die mal einen Song oder zwei.
Also würdet ihr nicht wie Nightwish, Strato, und Co. im Radio laufen?
M: Nein, unsere Songs sind auch zu lang dafür, viele dauern ja 8 bis 10 Minuten, so was würde eine Radiosender niemals spielen.
Moonsorrow - Klick!
Kannst Du von anderen Ländern erzählen, wo ihr als Band Erfolg habt (oder haben könntet). Ich denke die Deutschen Metalfans hören doch auch Songs in spanisch oder norwegisch!
V: Ich glaube Deutschland ist unser größter Markt!
M: Es müsste so sein. Jetzt beginnt es in Frankreich.
V: Viele Interviews bis jetzt kamen aus Deutschland.
M: Aber es kamen auch viele französische Interviews, ich glaube eine Firma hat uns da lizensiert.
Sehr seltsam, wenn ich an die Englisch-feindlichen Franzosen denke und die vielen französisch singenden Metalbands (Hilfe)! Dass die dann auch so eine fremde Sprache wie Finnisch annehmen.
M: Ich war noch nie da!
Die nahmen schon mal ein Album in französisch und englisch auf um beide Märkte abzudecken!
M: Schwedische Bands machen so was auch.
Ich finde es interessant, mehr über das Konzept eines Albums zu wissen. Cover, Texte und Musik bilden ja eine Einheit bei euch. Die Platte hat nicht irgendein Cover und Texte, die da sind um den Sänger was zu singen zu geben.
M: Das "Kivenkantaja"-Cover zum Beispiel geht nur um das Schleppen von Steinen!
Wie Obelix!
M:Genau! Hahaha. Nein, der Stein des Cover liegt im Hinterhof der Plattenfirma. Wenn Du aus dem Fenster schaust wirst Du ihn sehen.
(Das habe ich getan und er liegt da echt an einem Kellereingang!)
Cover - Klick! M: Das sind 200 KG, wir brauchten fünf Kerle um den dahin zu schleppen.
Das ist jetzt nichts altes, oder?
M: Nein, der Stein ist alt, das Gemalte neu, das haben so seltsame Kerle gemacht, die nahe dem Wald leben. Die sind verrückt, die schleppen Steine durch den Wald und bemalen diese dann.
Was bedeutet das Bild?
M:Da steht Moonsorrow in Runen und der Name "Kivenkantaja"
Stimmt. Äh. Na ja, hab das Cover jetzt zum ersten Mal gesehen. Erzählt doch mal was zu den Texten?
V: Das ist mein Job, der einzige den ich jetzt hab, hahahaha. Nein, das stimmt nicht. Die sind scheiße! Nein, o.k. die Texte haben dieses Pagankonzept und erzählen vom "nationalen Erbe". Wir haben aber nichts mit Nationalismus am Hut!
M: Es ist wichtig da eine Linie zu ziehen in unserer Zeit, denn die Menschen verstehen uns auch oft falsch.
Hey wem sagst Du das! Ich bin aus Deutschland, da muss man bei so was immer aufpassen was man sagt. Die Jungs von Amon Amarth haben doch das selbe Problem.
M: Klar haben wir auch solche Fans! Ich verurteile keinen ob er Mann, Frau, Nationalist, Christ oder was auch ist. Das ist mir egal!
V: Vielleicht können wir manchen Menschen noch etwas lehren!
Ihr erzählt fiktive Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Jedoch ohne Sword & Dragon Storys.
Moonsorrow - Klick! M: Schwerter sind dabei, aber auf keinen Fall Drachen!
V: Ich habe die Geschichten in Finnland vor 1000 Jahren angesiedelt. Das ist die Zeit dieser Texte.
Fühlt ihr euch als Brüder im Geiste von Bands wie Bathory oder Amon Amarth?
M: Es wäre falsch zu sagen, wir haben nichts von Bathory. Natürlich sind wir sehr beeinflusst worden von IHM. Aber ich weiß nichts über die textliche Seite. Ich glaube wir haben auch unsere eigene Seite entwickelt, wo wir nicht nur Bathory und norwegische Viking Metal Bands kopieren.
V: Da gibt es Gemeinsamkeiten, aber ich habe nicht die ganzen Viking Metal-Texte gelesen. Außerdem ist mein Norwegisch nicht so gut. Hahaha.
Als ich das erste Mal das "Suden Uni" Album hörte, fiel mir der erste Song auf. Warum wohl? Er erinnerte mich an eine Band aus Portugal ratet mal welche?
M: Das Hauptriff. Das ist ein Zufall. Henri, der das Riff schrieb, hat nie Moonspell gehört.
V: Er hat den Song wohl irgendwo bestimmt mal gehört und das Unterbewusstsein hat es sich dann gemerkt. Auf unserem Demo ist auch ein Riff von The Kovenant. Das Demo erschien vor "Nexus Polaris". Du siehst, so was gibt es!
M: (mit todernster lauter Stimme): Alle Metal-Riffs sind von Deep Purple, Black Sabbath und Uriah Heep schon lange geschrieben worden. Und so weiter...
Wirklich...
V & M: Hahaha. Klar!
M: Wusstest Du, das wir auch die selben Akkorde wie Metallica benutzen, e und f! Vielleicht verklagen die uns deshalb.
Der war gut!
Wen ich euch so im Booklet sehe und jetzt live, fällt mir der Spruch ein: "Don't spit on those who chose to pose!"
M: Du kannst uns natürlich große Poser nennen.
V: Ich weiß nicht.
M: Vielleicht würden wir Dir auch den Hintern versohlen.
V: So was gehört zu dem Konzept von Heavy Metal!
M: Wir sind auch Fans von Manowar. Wir machen das auch nicht mehr. Vielleicht sollten wir es demnächst mal wieder machen. Die Sachen sind von einer Rollenspieltruppe geliehen.
V: Oder mal was ganz altes, wie bei den Wikingern!
Ihr habt da auch Pseudonyme wie Baron und Lord sowieso.
M: Das machen wir auch nicht mehr, wir sind auch noch immer die selben Leute.
Wie rennt ihr denn rum, wenn ihr live spielt und spielt ihr oft?
Moonsorrow - Klick! M:Da sind wir nur etwas mit Blut beschmiert, aber wir spielen leider nicht oft live. Manche wollen mehr live spielen andere nicht so. Bis jetzt haben wir nur in Finnland gespielt.
V: Falls das irgendwelche Veranstalter lesen, denkt an uns!
Ihr wärt doch mal was total anderes in der Konzertlandschaft und das würde doch bestimmt Leute ziehen! Diese Woche hier sind ja viele Bands am spielen. Man sagte mir aber, dass wäre nicht immer so und wenn dann meist in der Hauptstadt. Wie sieht es aus mit internationalen Bands?
V: Ich erinnere mich nur an schwedische Bands!
M: Das Übersetzen von Schweden muss mit der Fähre geschehen und wir sind sehr abgelegen hier, so kommen die Bands oft nur am Ende einer Tour vorbei. Natürlich kommen die Großen wie Metallica, Iced Earth, Korn oder Maiden. Natürlich sehen wir diese Bands nicht so oft wie in Deutschland, wo doch alle Touren durch gehen. Da muss man als Band touren, wenn man in Europa tourt. Wir liegen an Russland und da will auch keiner touren.
Außer U.D.O.!
Wir haben noch ziemlich viel gequatscht, was hier leider den Rahmen sprengen würde. Vielen Dank für die nette Zeit!

Wednesday, October 14, 2015

Vampster / July 2008



SOURCE

  black metal pagan metal
Interview 09.07.2008 Captain Chaos

MOONSORROW: Keine Lust aufs Geschäft

Eine neue EP namens "Tulimyrsky" mit einer Spielzeit von knapp 70 Minuten, ein enorm epischer Titeltrack, haltlose Rassismusvorwürfe auf der letzten Tour und der unbedingte Wille, das Pagan Metal-Genre mit neuen Ideen weiter zu bringen - MOONSORROW sind seit vielen Jahren eine erfrische Ausnahmeerscheinung in einem immer stumpfer werdenden Genre und haben in den letzten Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Das hart arbeitende finnische Quintett hat einiges zu erzählen. Bassist und Sänger Ville Sorvali stand per E-Mail Rede und Antwort.
MOONSORROW - Interview 2008
Hallo Ville, eine sehr interessante EP habt ihr kürzlich veröffentlicht. Wurde ihr Herzstück "Tulimyrsky" bereits während den Sessions zu "V: Hävitetty" geschrieben?
Nein, wir schreiben niemals zusätzliches Material, abseits der Alben. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die Arbeit, die bevorsteht. Die Idee zu "Tulimyrsky" stand schon seit längerem im Raum, aber wir begannen erst Ende 2007 mit der Arbeit dazu.
Eine neue EP, nur ein gutes Jahr nach dem letzten Studioalbum - um die Wartezeit auf den Nachfolger zu verkürzen?
Zugegebenermaßen: ja. Wir haben schon einige Zeit darüber nachgedacht, diese EP zu machen. Und nun, da wir noch nicht im Begriff sind ein neues Full Length-Album zu schreiben, haben wir das in Angriff genommen. Wir befinden uns ein wenig abseits von unserem System und die Fans müssen nicht allzu lange auf das nächste Album warten.
Der Titeltrack ist sehr episch und klingt wie die Vertonung eines Drehbuchs. Wolltet ihr eine Art akustischen Film erschaffen?
Ich weiß nicht, woher die Idee kam, aber schon im Frühstadium des Liedgerüsts entschieden wir uns, die Texte von "Tulimyrsky" als Fortsetzung der Geschichte von "Voimasta ja Kunniasta" zu erschaffen. Als ich die Storyline erschuf, gab ich meine Instruktionen bezüglich der Struktur diverser Kapitel Henri (Urponpoika Sorvali, Gitarrist – Anm. d. Verf.). Er schrieb die Musik basierend auf diese Leitfäden. Es war schon ein wenig so, als würde man einen Soundtrack schreiben und ich bin sehr beeindruckt vom Resultat.
"Tulymyrsky" beinhaltet interessante Gastauftritte. Wie seid ihr in Kontakt mit dem Schauspieler Turkka Mastömäki gekommen? Ist er groß in Finnland?
Wir brauchten einen Erzähler für die gesprochenen Stellen der Geschichte und entschieden uns soweit wie möglich zu gehen und heuerten einen professionellen Sprecher für diesen Job an. Mitja (Gitarrist, Anm. d. Verf.) kennt Turkka durch dessen Freundin und dieser war sofort sehr interessiert an diesem Projekt. Er ist relativ bekannt in Finnland, sowohl im Fernsehen als auch im Theater und die meisten Finnen erkennen sein Gesicht auf Postern. Es ist uns ein großes Vergnügen, ihn auf "Tulimyrsky" verewigt zu haben und sollte außerdem, vor allem für unsere finnischen Fans, sehr interessant sein.
Wie wird ein Stück wie der Titelsong geschrieben? Es klingt wie ein großer Fluss, zu dem die gesamte Band etwas beiträgt und jede Probe wird der Song weiter getragen, erhält eine neue Nuance.
Eigentlich ist dieser Prozess ziemlich fern von deiner Vorstellung - viel abgelegener. Henri schreibt den Großteil der Musik, meistens basierend auf seinen eigenen Ideen, manchmal auf den Ideen von anderen. Er nimmt Demos in unterschiedlichen Phasen des Songwriting-Prozesses auf, schickt uns diese zu, damit wir sie kommentieren können. Dann arbeitet er darauf basierend weiter. Wir sind erst dann im Proberaum, wenn der Song eigentlich schon fertig ist und nur noch kleine Arrangements getätigt werden müssen.
Wie lange dauert es, einen solchen Song zu schreiben? Geht es schnell, wenn ihr hineingefunden habt, oder ist es eine lange, unwirtliche Reise?
Es ist auf jeden Fall harte Arbeit und es dauert einige Wochen, manchmal sogar Monate bis ein Song fertig ist. Henri erleidet meistens einige mentale Betriebsausfälle, ebenso die anderen. Und zwar wegen Henris Ausfällen, hehe.
MOONSORROW - Interview 2008
"Wir wollten unsere Grenzen ausloten und sehen, wie weit wir unser Konzept bringen können, ohne unsere Identität zu verlieren." Ville Sorvali über den ungewöhnlichen Titeltrack "Tulimyrsky".
Zum textlichen Konzept gibt es keine Interpretationen von mir, leider ist noch keine englische Übersetzung greifbar.
Die Übersetzung sollte es bald geben. Sobald ich diese mit meinem Prüfer durchgecheckt habe. Das generelle Thema des Songs ist Rache, es ist ja wie bereits erwähnt eine Fortführung der Geschichte von "Voimasta ja Kunniasta". Darin geht es um ein Dorf, das von den Einwohnern einer anderen Siedlung zerstört wurde, da der Bruder der Hauptperson diese Leute betrogen hat. Auf "Tulimyrsky" versammeln sich diese Leute, segeln zu diesem Dorf und brennen es nieder. Daher der Titel, denn "Tulimyrsky" heißt übersetzt "Feuersturm".
Was hat euch musikalisch für dieses Stück inspiriert? Ich höre natürlich BATHORY und ENSLAVED heraus, aber auch einige 70er Jahre Progressive- und Krautrock-Einflüsse. Seid ihr offene Musiker?
Ja, ich würde sagen wir sind ziemlich offen, wenn es um Musik geht. Ich glaube die meisten von uns hören inzwischen eher andere Musik als Metal. Progressive Rock war für MOONSORROW schon immer ein Einfluss, ebenso wie klassische Musik und Folk. Bei diesem Stück wollten wir unsere Grenzen ausloten und sehen, wie weit wir unser Konzept bringen können, ohne unsere Identität zu verlieren.
Auf "Tulimyrsky" habt ihr zwei Demo-Songs neu aufgenommen. Warum habt ihr euch ausgerechnet "Taistelu Pohjolasta" und "Hvergelmir" ausgesucht? Zeigen diese Songs in der neuen Version den größten Fortschritt zu den originalen Demos?
Wir wollten Musik von unseren Demos neues Leben einhauchen, denn viele Fans wollten diese Songs schon lange hören. Wir haben zwei Demos veröffentlicht, also entschieden wir, uns von jedem ein Stück neu aufzunehmen. "Taistelu Pohjolasta" und "Hvergelmir" sind einfach die Songs, die wir am meisten mögen und "Taistelu Pohjolasta" spielen wir hier und da auch noch live.
Sind diese beiden Songs ein Zeichen, dass ihr in Zukunft vielleicht etwas mehr zu euren Wurzeln zurück kehren werdet und wieder mehr Black Metal-Einflüsse zulasst?
Nein, nichts auf dieser EP ist ein Zeichen für irgendetwas. Sicherlich, Black Metal wird immer ein Teil von MOONSORROWs Ausdruck sein, da manche Dinge sich einfach nicht ändern, aber es kann immer noch sein, dass wir uns selbst auf dem nächsten Album überraschen werden. In anderen Worten: Es gibt diesbezüglich noch überhaupt keine Pläne.
Warum habt ihr das METALLICA-Cover "For Whom the Bell Tolls" auf "Tulimyrsky" gepackt? Meiner Meinung nach wäre der Gesamteindruck ohne dieser Nummer besser gewesen, da "Taistelu Pohjolasta" und "Hvergelmir" ein wenig wie ein alternatives Ende für den Song "Tulimyrsky" klingen.
Wir haben das Cover schon 2005 aufgenommen, es bisher aber noch nicht verwendet. Als die Idee für diese EP aufkam wussten wir, dass "For Whom the Bell Tolls" darauf enthalten sein würde. Als wir über die Anordnung der Songs diskutierten, dachten wir daran so viel Dynamik wie möglich einzubauen. Das METALLICA-Cover ist der perfekte Übergang zwischen dem strapaziös langem "Tulimyrsky" und den zwei wilden Demo-Songs. Außerdem ist es eine gute Kennzeichnung für den Beginn der "B-Seite".
Auf der EP gibt es außerdem ein Remake des kultigen Underground-Klassikers "Back to North" von MERCILESS. Waren sie eine große Inspiration für euch und wolltet ihr euren jüngeren Fans diese Band quasi vorstellen?
MERCILESS waren gewaltig inspirierend für uns, als wir jung waren und "Back to North" ist so etwas wie eines der ersten Viking Metal-Erwachen. Wir coverten dieses Stück, weil es sehr gut zu dem Konzept von "Tulimyrsky" und MOONSORROW generell passt. Und natürlich weil wir diesem brillantem Song Tribut zollen wollen. Wenn er das Interesse der jüngeren Fans an MERCILESS weckt, dann sind wir hocherfreut, denn sie haben es wirklich verdient.
MOONSORROW - Interview 2008
"Paganismus allgemein hat nichts mit Politik zu tun, es ist eine Religion und wir sollten nicht gezwungen werden uns selbst gegen politische Attacken wehren zu müssen." Ville Sorvali (vorne) distanziert sich von den Nazi-Vorwürfen der Antifa.
Eure Entwicklung schreitet konsequent voran, die Musik wird stets epischer und die Songs werden Länger. Ist es paradox, dass euer Erfolg damit wächst? Oder hat die Metal-Szene auf so etwas Spezielles geradezu gewartet?
Ich gebe nicht viel Acht auf Verkaufszahlen oder ähnliches, aber ich glaube der Anstieg unserer Beliebtheit kommt am ehesten durch die konstante Verbesserung des Marketings, nicht unbedingt durch die Unterschiede, die es zwischen den Alben geben könnte. Davon abgesehen gibt es viele beliebte Bands, die komplexe Musik machen, wir sind sicherlich nicht die Ersten, die mit unkonventionellen Songstrukturen durchbrechen. Wir tun einfach, was wir mögen. Um uns selbst zufrieden zu stellen.
Ebenso ist es für euch ein großer Schritt nach vorne, dass ihr nun in Deutschland bei Drakkar unter Vertrag seid. Eine größere Basis für euch?
Ja, das glaube ich, auch wenn es schlussendlich die Entscheidung von unserem Label Spinefarm war, die Alben in Deutschland an Drakkar zu lizensieren. Spinefarm machen gute Arbeit in Finnland, aber ich glaube Drakkar können für uns in Deutschland mehr erreichen. Ich kenne mich aber nicht so sehr im Musikgeschäft aus – ich spiele nur die Musik, hehe.
Drakkar hat außerdem alle alten Alben von MOONSORROW neu aufgelegt. War das denn nötig?
Sie haben die Lizenz an unseren alten Alben gekauft, ich denke sie fanden es mehr oder weniger notwendig unseren ganzen Katalog neu aufzulegen. Sie sind dafür da, das Geschäftliche zu erledigen, nicht wir. Es sind keine Bonus Tracks darauf zu finden, keine neue Aufmachung oder ähnliches, es sind einfach die selben Alben, nur dass sie nun leichter erhältlich sind.
Was ist eurer Meinung nach eigentlich der Unterschied zwischen MOONSORROW und den so genannten Pagan Metal-Bands? Der Prog-Einfluss? Keine dämliche Sauflieder zu spielen? Oder  habt ihr ein tieferes Verständnis für diese Themen aus der Vergangenheit?
Die ganze "Pagan Metal"-Szene ist so groß, dass es keinen Sinn macht, Vergleiche zwischen Bands zu ziehen. Was haben HADES ALMIGHTY mit KORPIKLAANI gemeinsam? Es ist auch keine Frage des tieferen Verständnisses, denn die meisten Bands ziehen dieses Ding durch, weil sie daran glauben. Wir haben natürlich ein breiteres Spektrum an Einflüssen in unserer Musik als die meisten anderen Pagan Metal-Bands, aber das ist der Weg für den wir uns entschieden haben. Für mich wäre es ziemlich langweilig, denselben Saufrefrain immer wieder und wieder zu spielen.
Ist es für euch ein Nachteil, Texte in eure Muttersprache zu verwenden? Aus der Sicht des Hörers ist das sicherlich ein Vorteil, da ihr so deutlich aufrichtiger und ernsthafter klingt.
Nun, von der geschäftlichen Seite aus betrachtet ist es offensichtlich ein Nachteil. Ich denke, wir würden mehreren Leuten gefallen, wenn wir zu englischen Texten wechseln würden. Wie auch immer, wir haben uns für die finnische Sprache entschieden, denn es passt zu alldem was wir tun perfekt. Wir sind eine finnische Band, wir haben finnische Mentalität und anders könnte es einfach nicht dargeboten werden.
Ihr seid dennoch auf dem Weg nach oben. Was hat sich für euch geändert seit ihr mehr tourt und generell aktiver seid?
Ich glaube, es ist für jede Band, die mehr macht, das Gleiche. Sie stellen fest, dass es keinen Glamour im Rock ´n´ Roll gibt und dass die Arbeit auf dem Weg nach oben immer härter wird. Henri hat sich vor einiger Zeit dafür entschieden, dass er nicht viel mit uns touren wird, so wie er sich auch bei FINNTROLL entschieden hat, um sich mehr auf seine Arbeit und seine Familie zu konzentrieren und das respektiere ich. Touren ist definitiv nicht für jedermann geeignet, das Leben ist hart und schlussendlich fordert es dich heraus, Entscheidungen zwischen wichtigen Dingen in deinem Leben zu fällen.
Könntet ihr euch ein nichtmetallisches Album vorstellen, das noch mehr in Richtung Soundtrack geht? Würdet ihr dafür ein Alter Ego benutzen, oder bedeutet MOONSORROW nicht zwangsläufig "Metal" zu spielen?
MOONSORROW ist definitiv eine Metal-Band, wird werden also unter diesem Namen nie komplett anders klingen. Das heißt natürlich nicht, dass wir niemals etwas anderes in dieser Einheit machen würden, denn mit LAKUPAAVI (selbstironischer Death/Grind-Alter Ego von MOONSORROW – Anm. d. Verf.) haben wir das bereits gemacht. Ich weiß aber wirklich nicht, ob wir jemals in Versuchung kommen werden, ein unmetallisches Album zu machen. Viel mehr denke ich, dass Henri das alleine machen würde. Ich habe noch nicht einmal eine Ahnung, was MOONSORROW als nächstes machen werden, wir wissen das nie bevor wir anfangen die Musik für das kommende Album zu komponieren.
MOONSORROW - Interview 2008
"Es war unser Plan, dass Cover ein wenig kahl aussehen zu lassen und somit nicht die Details hinter dem Titel zu zeigen." MOONSORROWs Rache: Downloader kriegen weniger zu sehen.
Das Artwork stammt von Kris Verimp. Ehrlich gesagt sieht die Promo ziemlich langweilig aus. Ich gehe davon aus, dass die richtige CD mehr Details beinhaltet, wie es auch auf eurer Homepage zu sehen ist.
Es war unser Plan, dass Cover ein wenig kahl aussehen zu lassen und somit nicht die Details hinter dem Titel "Tulimyrsky" zu zeigen. Es gibt viel zu sehen, wenn man das Booklet aufklappt. Was natürlich nicht klappt, wenn man das Album runterlädt, ha!
Auf eurer letzten Tour gab es Probleme mit der Antifa, die einige eurer Songs und eurer Logo als solches angriffen. Dagegen habt ihr ein klares Statement abgeliefert – glaubst du, alle Pagan Metal-Bands sollten solche Schriften abliefern um solche Angriffe im Keim zu ersticken?
Ich wünschte mir, dass es nicht notwendig wäre. Allerdings sind die meisten Menschen ignorant genug zu glauben, dass das Sonnenrad, die S-Rune oder sogar das Swastika Nazi-Symbole sind. Symbole, die tausende Jahre vor dem kurzlebigem Nazi-Regime im 20sten Jahrhundert erfunden wurden. Paganismus allgemein hat nichts mit Politik zu tun, es ist eine Religion und wir sollten nicht gezwungen werden, uns selbst gegen politische Attacken wehren zu müssen. Nun da wir dieses Statement abgeliefert haben hoffe ich aufrichtig, dass keine Band das jemals wieder tun muss.
Es ist ein generelles Problem, dass viele Menschen, gerade in Deutschland, nicht verstehen, dass manche Symbole von den Nazis missbraucht wurden und dadurch deren Bedeutung irreversibel verändert wurde. Sollten auch andere Bands, die nichts von diesem braunen Mist halten und sich für die Vergangenheit interessieren diese Symbole verwenden um den Versuch machen diese zu "säubern", oder ist dieses Thema zu delikat?
Es gibt keinen Grund diese Symbole nicht zu verwenden, sie gehören uns. Ich werde auch weiterhin auf meine Autogramme das Sonnenrad zeichnen, bis zum Ende aller Tage. Wenn die Leute glauben, dass würde mich zu einem Nazi machen, dann sollen sie zur Hölle nochmal Wikipedia aufmachen und die Herkunft dieser Symbole nachlesen, sofern sie überhaupt lesen können.
Da die Pagan Metal-Szene derzeit recht populär ist, ist dies eine gute Chance für NSBM-Bands, um ihre faule Ideologie zu verbreiten. Wie kann die Szene es vermeiden, dass solche Bands einen Nährboden erhalten? Diesbezüglich ist es auch sehr gefährlich, dass das Internet wirklich Platz für jeden bietet.
Ich glaube an die Redefreiheit und ich glaube, dass jeder das Recht hat zu sagen, was er will, solange es nicht zu Gewalt und weiteren kriminellen Aktionen aufruft. Das ist, auf was die westliche Demokratie aufbaut und Politik braucht beide Extreme um zu arbeiten und sich zu entwickeln. Ich stimme mit den Aussagen von NSBM-Bands nicht überein und ich finde es falsch, dass ihre Ideologie neben der heidnischen Ideologie herläuft. Aber wenn diese Bands es so meinen, dann lass es sie sagen. Es tut keinem weh, mehr Seiten von ein und derselben Geschichte zu hören.
Abschließende Frage. Nach der Veröffentlichung von "Tulimyrsky" und den Sommerfestivals, werdet ihr wieder touren oder euch gleich auf das neue Album stürzen?
Wir werden ein paar Konzerte gegen Ende des Jahres spielen, inklusive unseren ersten Shows in Mexiko und in den Pausen ein wenig entspannen. Wir haben bisher noch nicht über das kommende Album gesprochen und uns kürzlich dafür entschieden, das auch bis Ende des Jahres nicht zu tun. Nach dieser Zeit werden wir schlauer sein.

Bandfotos MOONSORROW: (c)Drakkar/Sure Shot Worx/Terhi Ylimäinen/

Scarred for Life / December 2006



SOURCE



Interview – MOONSORROW zum Album “Viides Luku – Hävietty” (Scarred For Life, Dezember 2006)

Das Ende ist nahe!


MOONSORROW sollten den SCARRED FOR LIFE-Lesern mittlerweile keine Unbekannten mehr sein. Die Band hat nun mit “Viides Luku – Hävietty” ein starkes fünftes Album am Start, welches durch Innovation und Kreativität eine ganz eigene Atmosphäre erschafft. Grund genug, Bassist und Frontman Ville Sorvali einmal auf den Zahn zu fühlen, welche Substanzen man braucht um solch ein düsteres Album zu komponieren. Und warum die Gefahr besteht, dass MOONSORROW bald Alben ohne Songs veröffentlichen.

Bitte erklärt das Konzept hinter eurem neuen Albums “Viides Luku – Hävietty”. Was bedeutet der Titel und was besingt ihr auf den ganzen zwei Tracks des Albums?
“Hävietty” bedeutet übersetzt “verwüstet” und steht für das Weltende. Die Texte sind Visionen des Endes, aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Der erste Song “Varjojen virta” handelt von der äußersten Verzweiflung eines Individuums durch die endlose Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Song betont, wie wir uns alle langsam aber sicher dem Tode nähern.
“Tuleen ajettu maa”, der zweite Song spricht das Konzept auf einer universellen Ebene an. Er erklärt, wie der religiöse Krieg uns sehr direkt Richtung Weltende leitet. Jäästä syntynyt”, das Intro des Albums beschreibt, wie eine neue Welt aus dem Tode einer alten geboren wird. So wird hier ein geschlossener Kreis geformt.
Warum ist euer Weltbild denn eigentlich so pessimistisch? Eure Texte scheinen alles, nur nicht im Entferntesten positiv zu sein.
Wenn du dich einmal umguckst, dann kannst du wahrscheinlich nichts großartig Optimistisches in der Welt erkennen. Natürlich habe ich auch positive Gefühle in mir, aber MOONSORROW waren niemals eine Band, die über Glücklichsein und Blumen singt. Also neige ich auch nicht dazu, über so etwas zu schreiben. Ich wollte meinen Standpunkt über den momentanen Zustand der Welt teilen, weil dieser mich aufregt und sehr traurig macht. We live in fucked up times, friend.
Man kann eine spezielle Tendenz auf euren Alben erkennen: Das letzte – “Verisäkeet” – hatte noch gerade so fünf Songs, das Aktuelle nur noch zwei. Wenn ich diesen Gedanken weiterspinne, wird euer folgendes Album nur noch einen Track haben und die Platte danach keinen einzigen … Erschreckend!
Das hast du genau richtig erkannt. Wir sind uns klar darüber, dass, wenn wir ein Album mit nur einem Song veröffentlichen, dieses unser letztes sein wird. Ich weiß aber nicht, ob wir dafür schon bereit sind. Also keine Angst! Das nächste Album wird – ich zitiere Monty Python – “something completely different” werden. Auch wenn wir bis jetzt gar nicht wissen, wie es eigentlich sein wird. Die Tendenzen der letzten Alben waren aber rein zufällig.
Auf dem zweiten Song “Tuleen ajetta maa” habe ich viele interessante und ungewöhnliche Instrumente erkennen können, wie beispielsweise Digeridoos und eine Art Voodoogesang. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber sehr innovativ. Vor allem für eine Band, die ja eigentlich als Black Metal-Band charakterisiert wird. Wie seid ihr darauf gekommen?
Wir wollten niemals zu irgendwelchen konkreten Genres passen und haben schon seit unseren Anfängen verschiedene Elemente aus allen möglichen Stilen gemischt. Das ist alles ein Ergebnis unseres persönlichen musikalischen Werdeganges. Wir wollen nicht in Schubladen gepackt werden und unsere Musik braucht das auch gar nicht. Ohnehin sollten da auf dem Album auch gar keine Digeridoos zu hören sein (Ups! Anm. d. Verf.). Wenn da irgendetwas sein sollte, das danach klingt, dann ist das aus Mitjas (Harvilahti – Leadgitarre, Anm. d. Verf.) Mist gewachsen.. Der ist auch verantwortlich für die Schamanenchöre.
Wie schreibt Ihr eure Songs? Müsst ihr in einer bestimmten Stimmung dafür sein, solch düsteres, depressives Zeug zu schreiben? Oder nutzt ihr gar bestimmte Zusatzstoffe wie Drogen oder harsche Fernsehnachrichten? Oder schreibt ihr das einfach an einem wunderschönen sonnigen Nachmittag im Park?
Wenn überhaupt, dann am sonnigen Parknachmittag. Wir brauchen uns nicht von irgendwelchen äußerlichen Quellen „inspirieren“ lassen. Die Inspiration kommt von innen und kann zu jeder Tageszeit passieren. Nachrichten können einen aber natürlich auch beeinflussen und dabei helfen, die Gedanken zu sammeln.
Travis Smith (von Semipieces, Anm. d. Verf.). Er hat tolle Arbeit für Bands wie KATATONIA und AMORPHIS geleistet. Also haben wir beschlossen, ihn einmal an unser Konzept zu lassen. Meiner Meinung nach ist das Cover großartig geworden und noch wesentlich besser als alles, was ich mir vorgestellt habe, geworden. Hails to Travis!
Thomas Väänänen von THYRFING hat euer Album veredelt mit Gast-Vocals auf beiden Tracks. Wie ist es dazu gekommen und was bringt uns das, wenn man es eigentlich gar nicht heraushören kann?
Das ist eine dieser „Da schließt sich der Kreis“-Situationen. Thomas war anfangs einer meiner Haupteinflüsse, und ich wollte eigentlich, dass er schon bei „Verisäkeet“ dabei ist, aber unser beider Terminkalender ließ das nicht zu. Und auch wenn er schon seit Jahren ein guter Freund von mir ist – und nebenbei auch ein MOONSORROW-Fan – war es trotzdem eine große Ehre, ihm im Studio zu haben. Du hast ihn wahrscheinlich nicht erkannt, weil seine Stimme meiner recht ähnlich ist – Was wir später auch realisiert haben. Das ist doch einmal ein Zufall, oder?! Er hat zwei Strophen beim ersten Song gemacht, eine beim zweiten und hier und da ein paar Background Vocals.
Was ist dein Eindruck der aktuellen immer größer werdenden Black und Viking Metal-Szene?
Ach, ich habe die Szene seit Jahren schon nicht mehr richtig verfolgt. Der kleine Fanboy ist zwar immer noch in mir, aber ich bin nicht mehr so aufgeregt über neue Sachen wie früher. Ich finde aber, dass das wirklich Interessante das ideologische Element in der sich ausbreitenden Szene ist. Die Leute beginnen, ihre Wurzeln zu entdecken und allmählich dieses oberflächliche, materialistische und feindlich gestimmte Umfeld, welches wir die „moderne Welt“ nennen dürfen, aufzugeben. Die Musik ist zwar nicht automatisch gut, aber diese Einstellung ist das, was meine vorbehaltslose Unterstützung bekommt.
Ich bedanke mich für dieses Interview. Gibt es da noch irgendetwas, was Ihr den SCARRED FOR LIFE-Lesern mitteilen wollt?
Vielen Dank für das Interview und ein schönes neues Jahr!
Nett! Das wünsch ich euch doch auch.
Arndt Aldenhoven
Veröffentlicht auf scarred-for-life.de, Dezember 2006

Amboss Mag / Mid 2003



SOURCE

Episch klingende Heiden aus Finnland
Moonsorrow (Epic Pagan Metal)

Heidnischer Metal in seiner epischsten Form tragen die Finnen Moonsorrow nun schon auf ihrem dritten Album in immer besser werdender Weise vor. Eine weite Atmosphäre mit wunderschönen Melodien, große Anteile von Folk Musik aus dem eigenen Land, sowie eine doch durchgehende Aggressive Haltung zeichnen auch das neue Werk, "Kivenkantaj", aus. In der Vielfältigkeit der Musik und seiner stellenweise atmenberaubenden Schönheit liegt die Stärke der Finnen, Gründe genug, um den Skandinaviern mal etwas näher auf den Zahn zu fühlen. www.moonsorrow.com (eller)
(Photos by Tomi Härkönen)

Review lesen



Wie würdest du jemandem Moonsorrow vorstellen, der eure Band nicht kennt und auch keine Ahnung von Metal hat?
Nun, ich wüsste nicht, wie ich jemandem Heavy Metal erklären sollte, der die Musik nicht kennt (gibt es irgendjemanden?). Alles was ich über Moonsorrow sagen kann ist, wir spielen Finnischen, Epischen Heiden Metal. Das ist Heavy Metal mit Folk Einflüssen und puren heidnischen Einschlägen in den Texten.

Wo denkst du, habt ihr euch im Vergleich zum Vorgänger "Voimasta ja kunnista" am deutlichsten verbessert?
Hmm... Ich vermute, wir haben im Endeffekt die Art und Weise unserer musikalischen Weiterentwicklung verbessert. Sowas wie, was können wir, was müssen wir machen und was sollte in Moonsorrow nicht auftauchen. Wir haben jede Menge neue Keyboardsounds, die vorher nicht in unsere Songs gepasst hätten, wie z.B. Hammond Orgel Sound. aber das bedeutet nicht, dass wir Retro gehen oder so. Unser Ziel ist es, unseren Sound mit so vielen Variatinen wie möglich auszuweiten. Immer bedacht darauf, den ursprünglichen Sound durch Gitarre, Drumms und Bass aus Aggressivität und Kälte beizubehalten.

Musst du in einer bestimmten Stimmung sein, um Songs für Moonsorrow zu schreiben?
Eigentlich ja, aber gute Songs können auch im Zug oder zu Hause am Computer entstehen. Manchmal, wenn ich die Strasse entlang laufe, fängt eine gute Melodie in meinem Kopf an zu spielen. Normalerweise habe ich Stift und Papier dabei und schreibe mir ein paar Noten auf, um zu Hause daran weiter arbeiten zu können.

Warum benutzt ihr so aggressiv klingende Vocals zu eurer an sich schönen und oftmals auch sanft klingenden Musik?
Nun, meistens, weil wir wollen, das es so ist. Wir haben nie daran gedacht, Moonsorrow abzuschwächen oder kürzere Songs zu schrieben oder was auch immer. Ich weiss nicht, ob das nächste Album nur aus einem Song besteht oder ob es 10 Tracks mit blasphemischem Feuersturm Black Metal werden. Wir hören ebenso aggressive Metal Bands als auch Pop Bands, 70s Prog und Klassische Musik und daher sind wir von vielen Seiten beeinflusst.

Warum singt ihr in eurer Muttersprache?
Weil es eine der schwierigsten Sprachen der Welt ist und alle ausländischen Fans kein einziges Wort verstehen, hah! Also, es ist eine so wunderschöne Sprache und sie passt besser zu unseren Songs als Englisch. Moonsorrow startete mit Englisch, daher der Name. Mag sein, dass wir Englisch wieder benutzen, mag sein auch nicht. Unsere Wahl der Sprache schränkt unsere Möglichkeiten der Verbreitung zwar leider ein, aber das stört uns nicht. Wenn die Welt eines Tages bereit für eine Finnisch singende Band ist, dann werden wir eure Köpfe wegblasen!

Hörst du öfter auch mal Finnische Folk Musik?
Ich persönlich nicht, aber Henri und Ville. Ich bevorzuge Irische Folk Musik mehr als die skandinavische.

Welche Bands magst du besonders?
70s Prog Rock von King Crimson, Genesis und Jethro Tull. Und ich bin ein starker Fan von einer amerikanischen Band namens Flogging Molly. Perfekter Celtic-Core, den man laut hören muss, während man Bier trinkt. Und Devin Townsend's neues Album ist klasse.

Kannst du uns ein wenig über eure Texte verraten?
Es handelt vom Heiden Leben in den alten Zeiten. Geschichten von vor 1000 Jahren. Als wir die Band gründeten und jung waren, waren die Texte gegen das Christentum und sehr direkt. Nach nun 3 Alben sind wir auch textlich gereifter. "Kivenkantaja" hat so viele verschienden Gefühle in den unterschiedlichen Songs.

Warum steht im Booklet: No thanks at all to Sir Elton Hercules John? Seid ihr keine Freunde von Elton Johns Musik?
Nein, definitiv nicht! Hah! Henri wurde von Elton John während der Aufnahmesessions gejagt! Sehr lustig! Er war überall!

Spielt ihr noch live in diesem Jahr?
Ja, im Sommer auf einigen Festivals in Finnland und in ein paar Clubs im Herbst. Wir hatten aber noch keine Chance im Ausland zu spielen.

Wird es ein weiteres Moonsorrow Album geben? Und was können wir dann erwarten?
Ja, es wird unser Debütalbum "Suden Uni" mit Bonusmaterial im nächsten Winter Re-released und es sieht so aus, als gäbe es in 2004 noch kein weiteres Album, da wir unsere Kompositionen dieses Mal sehr gut vorbereiten wollen. Daher haben wir haben keine Eile. Auch sind alle Mitglieder von Moonsorrow in ihren anderen Bands (Finntroll, The Wickes, Amoral, Chaosbreed,... die Liste ist endlos! Hah!) beschäftigt und wollen auch diesen Bands Zeit widmen. Also wird das neue Album Anfang 2005 den Tag sehen.
Stay metal and drink more mead! Everybody!

Metal Inside / December 2006



SOURCE

Interview:
2006-12-27 Moonsorrow

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Auch wenn die Finnen MOONSORROW bisher stets fantastische Alben veröffentlicht haben, übertreffen sie sich mit ihrem neuen Werk "Viides Luku - Hävitetti" noch einmal selbst und präsentieren die neue Referenz des Viking / Pagan Metal - Genres. Mit diesem Oberhammer in der Hinterhand sitzen Sänger / Bassist Ville Sorvali und Drummer Marko Tarvonen ganz entspannt im ehrwürdigen "Ballroom" zu Hamburg und lassen allerlei kritische Fragen über sich ergehen… InterviewWieso seid Ihr denn mit dem neuen Album so schnell fertig geworden?


Ville: Schnell? Na ja, "Verisäkeet" wurde Anfang 2005 veröffentlicht, und das neue Album Anfang 2007. Wir sind in dieser Zeit nicht so viel getourt wie die meisten anderen Bands, daher hatten wir mehr Zeit, neue Songs zu schreiben. Erst jetzt kommen wir dazu, ein wenig zu touren, und wir hatten dieses Jahr erst unsere erste Europatour.



Warum erst so spät? Immerhin gibt es die Band bereits seit 1995.


Ville: Vielleicht liegt es daran, dass wir in der Vergangenheit so viele schlechte Angebote für Touren bekamen. Wir kennen sehr viele Bands aus der Helsinkier Szene und so weiter, und es ist so, dass wir sehr viel von ihnen gelernt haben. Diese Bands haben Fehler gemacht und setzen sich heute dafür ein, dass jüngere Bands diese Fehler nicht wiederholen.



Marko: Das stimmt! Wir lernen von den Alten!



Ville: Sie haben diese Touren durchgezogen, mussten alles selbst bezahlen und hatten üble Konditionen. Wir haben uns das zu Herzen genommen und entschieden, nicht so zu handeln. Es ist eine gute Szene, wir halten mehr oder weniger alle zusammen. Die Älteren geben den Jüngeren Ratschläge!



Marko: Das war für uns deswegen eine ganz klare Entscheidung.



Aber jetzt seid Ihr ja die Älteren!


Ville: Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, dass es auch jüngere Bands gibt, die aus unseren Fehlern lernen und so was vermeiden.



Marko: Es soll sich aber nicht so anhören, dass jeder nur Fehler macht, weil auch wir gute Entscheidungen treffen, etc.. Das ist die andere Seite.



Auf Eurem wieder veröffentlichten Debüt "Suden Uni" sind acht Songs zu hören, auf "Voimasta Ja Kunniasta" und "Kivenkantaja" jeweils sechs Songs, auf "Verisäkeet" vier Stücke und auf "V:Hävitetty" nur zwei Stücke. Wird es dann auf dem nächsten Album nur noch einen Song geben? Ist das also ein Muster?


Ville: Nein, darin steckt kein Schema! Es ist einfach so passiert, dass das Album weniger Songs hat als die letzten. Wir verfolgen da echt keinen bestimmten Weg.



Ja, aber dann fragt man sich, wie bei Euch das Songwriting funktioniert. Jedes der zwei neuen Stücke könnte auch in mehrere Songs unterteilt werden.


Ville: Ja, aber es könnte auch nur ein einziger Song sein, haha!



Marko: Das Songwriting bei uns kann so aussehen, dass wir zuerst das Ende eines Stückes schreiben, nicht den Anfang. Beim ersten Song auf dem neuen Album etwa stand das Ende zuerst, und dann erst folgten die anderen Parts. Wir arbeiten nicht nach dem Schema, dass wir zuerst das Intro schreiben, dann die Verse, dann den Chorus… wir wollten mit der üblichen Songstruktur, wie es sie etwa in der Popmusik gibt, brechen.



Ville: Ja dieses "ABABABCAB" - Ding!



Marko: Sowas haben wir aber noch nie gemacht! Irgendwie sind diese neuen Stücke am Ende so lang heraus gekommen, aber das war nicht unsere Absicht. Wir wollten nicht bewusst so lange Songs haben. Unser Hauptsongwriter Henri (- Sorvali - Gitarrist und Keyboarder und nebenbei Ville´s Cousin) sagt immer: "Ein Song ist fertig, wenn er fertig ist!". Es gibt wirklich keinen expliziten Grund, warum die Stücke so lang sind.



Ville: Wir sagen das in jedem Interview, wenn wir danach gefragt werden. Wenn wir zum Beispiel acht Minuten an Material haben, aber denken, dass noch irgendetwas fehlt, dann schreiben wir einfach weiter. In diesem Fall hatten wir zwanzig Minuten, aber es fehlte immer noch was. Darum haben wir noch weiter gemacht, so lange, bis alles fertig war.



Das Problem dabei kann nur werden, dass die Stücke vielen Leuten einfach zu lang sind, das war etwa beim letztjährigen "Metal Bash" der Fall, nach dem Motto: "Ey, geile Band, aber viel zu lange Songs und so langweilig…!"


Ville: Hahaha! Dann ist es aber keine Musik für diese Leute, sorry!



Marko: Wir nehmen dieses Risiko gerne in Kauf, aber zuerst einmal machen wir diese Musik für uns selbst, nicht für die Fans. Natürlich schon für die Fans, aber erstmal müssen wir selbst zufrieden sein. Das bedeutet ja nicht, dass wir nicht an unsere Fans denken, aber wenn sie nicht bereit sind für 30 Minuten lange Songs, dann ist es deren Problem!



Ville: Dann müssen sie einfach andere Alben hören! Ich bin selbst etwas verärgert, wenn ich mir die typischen Musikhörer heutzutage anschaue; sie sind kaum noch in der Lage, sich für vier Minuten zu konzentrieren. Wir möchten die Leute, die die Welt für die einen längeren Moment loslassen können, gerne belohnen. Sei es für fünf Minuten, 20 Minuten oder eine Stunde. Es ist wie mit diesen Kaffeebechern aus Plastik, aus denen man trinkt und sie dann wegwirft. Genau diese Welt meinen wir!



Marko: Einmalprodukte, Fastfood! Sowas wollen wir nicht in unserer Musik haben, sondern dass sich die Hörer immer und immer wieder auf die Songs einlassen, seien es unsere älteren oder neueren Stücke.



Ville: Es ist für den Hörer auch viel aufregender, kein "Easy Listening" zu haben. Man muss unserer Musik Zeit geben, sie wieder und wieder hören, und jedes Mal wird man auf neue Themen aufmerksam, weil es einfach sehr viele Ebenen gibt.



Wie sieht es denn dann umgekehrt mit kommerziellen Aspekten aus?


Ville: Wir kennen dieses Wort überhaupt nicht, hahaha! Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir als Band jemals daran gedacht hätten, kommerziell zu werden.



Das Wort klingt erstmal scheiße, aber es geht ja im Endeffekt darum, dass Ihr Platten verkauft.


Ville: Ich bin wirklich glücklich damit, dass wir mit unserem kompromisslosen Stil, den wir schon immer hatten, dort hingekommen sind, wo wir jetzt stehen. Wir haben nie darauf geachtet, möglichst viele Platten zu verkaufen, sondern einfach nur unsere Musik gemacht. Trotz unserer zunehmenden Komplexität bin ich froh, dass es bisher so gut geklappt hat.



Marko: Wir sind auch sehr glücklich damit, dass unsere Plattenfirma versteht, was wir da tun und uns bei unserer Sache unterstützt und respektiert. Das klappt alles sehr gut.



Aber wie wollt Ihr diese Stücke live umsetzen?


Ville: Wir haben vor, sie live zu spielen, aber immer nur eins pro Gig, haha! Keine Ahnung, wir haben das bislang noch nicht versucht.



Marko: Einen Song von dem neuen Album müssen wir in Zukunft live spielen, aber wir werden ihn ein wenig kürzen. Es werden dann aber immer noch ca. 20 Minuten sein. Immerhin müssen wir auch noch die alten Songs spielen. Bei einem Gig haben wir 60 oder 70 Minuten, wenn es gut geht, und da müssen wir einfach Kompromisse machen. Normal bräuchten wir bei jeder Gelegenheit zwei Abende, an denen wir spielen; an einem Abend die neuen Stücke, am anderen die älteren. Aber wir sind leider noch keine so große Band, haha!



Wovon handeln die Stücke denn genau, also die Texte und die tiefere Bedeutung?


Ville: Hui, die tiefere Bedeutung… also ich schreibe die Texte… und das Album ist eher traurig, es handelt vom Untergang des Menschen und der Welt, also diesem Zeug. Wie detailliert soll ich denn werden?



Es hieß auch irgendwann mal, die Texte seien gegen Bush?!


Ville: Sie sind nicht gegen Bush, aber es gibt ein paar Andeutungen, die sich auf die heutige Welt übertragen lassen. An ein paar Stellen können die Leute es politisch sehen, wenn sie es so wollen.



Ihr habt auch gesagt, dass Englisch eine schöne Sprache sei. Wieso schreibt Ihr die Texte dann nicht in Englisch, damit sie mehr Leuten zugänglich sind?


Ville: Nun, ganz einfach, weil Finnisch eine noch viel schönere Sprache ist, hahaha! Auf Finnisch kann ich ausdrücken, was immer ich möchte und alles sagen. Was ich meine, kann ich auf Englisch natürlich schwerer umsetzen. Es wird aber englische Übersetzungen der Texte im Booklet geben, ich habe etwa einen Monat lang daran gearbeitet.



Auffällig ist auch, dass der erste Song von "V: Hävitetty" noch mal in zwei Teile aufgespalten wurde. Warum das?


Ville: Das war auch eine textliche Entscheidung. Es ist zwar immer noch derselbe Song, aber die Texte im Intro erzählen eine ganz andere Story als der Rest. Das Intro ist der skandinavischen Mythologie entliehen und der Entstehung der Welt. Der zweite Teil mündet in das Ende der Welt, und alles beginnt wieder von vorne. Dann muss man den Song wieder auf Anfang stellen…



Marko: … ja, weil er so geil ist, hahaha!



Ville: Wenn die alte Welt zu Ende ist, wird eine neue Welt entstehen. Das ist eher mythologischer Kram.



Die Texte und der Inhalt des Albums sind also sehr düster. Aber wenn man Euch so sieht, dann macht Ihr nicht den Eindruck, als seiet Ihr depressive Typen, sondern eher lustig drauf!


Ville: Haha, ja, sehr lustige Typen! Jeder Mensch auf der Welt hat eine positive und eine negative Seite. Es kann sein, dass uns die Musik dazu dient, die negativen Gefühle auszudrücken. Was mich betrifft, ich muss diese Gedanken nicht mehr in meinem normalen Alltag ausleben. Die ganzen schlechten Dinge kann ich durch die Musik transportieren.



Marko: Und dadurch können wir die Freuden des Lebens viel besser genießen.



Ville: In den nächsten Jahren kann ich mir auch nichts anderes vorstellen, als Musik zu machen!



Aber Eure Musik könnte auch "fröhlicher" werden, denn selbst die Viking Metal - Szene ist ja in zwei Lager gespalten: die eher "happy" aufspielenden Bands wie KORPIKLAANI oder FINNTROLL und die eher epischen, düsteren Vertreter wie Ihr, ENSLAVED oder die alten BATHORY…


Marko: Wir sind nicht lustig, nicht mal im Ansatz! Wir hatten ein paar dieser "fröhlichen" Parts in der Vergangenheit, aber wir bewegen uns davon weg. Dieser Folk Metal ist bei uns kaum noch vorhanden und auch auf dem neuen Album kaum noch zu hören. Ein paar dieser Melodien sind zwar noch vorhanden, aber sie stammen mehr aus der melancholischeren Folklore. Die finnische Folklore ist in zwei oder drei Arten unterteilt. Zum einen ist da der skandinavische Einfluss aus Schweden, Norwegen, etc. und zum anderen der Einfluss aus Russland und den slawischen Gebieten. Es ist ein Mix aus beidem, aber auf dem neuen Album verarbeiten wir eher diese… ich hasse das Wort "slawisch"…



Ville: Haha!



Marko:Ja, aber das trifft es am besten. Wahrscheinlich kommen unsere Folk - Melodien daher. Finnland war ganz früher geteilt, und wir gehörten zu verschiedenen anderen Ländern, wie Schweden oder davor Russland. Aber mittlerweile sind wir unabhängig, und diese musikalischen Einflüsse sind Schatten aus der Vergangenheit, haha!



Ville: Wenn Du über "fröhliche" Musik sprichst, dann musst Du auch bedenken, dass das eine nicht gerade gewöhnliche Sache war, als wir damals anfingen. Wir mochten es aber einfach, diese Folk - Melodien in unserer Musik zu haben. Nur ein paar Jahre, nachdem wir damit begonnen hatten, fingen zig Bands an, diese Musik zu spielen. Wir haben jetzt schon alles in dieser Richtung gehört und wollen nun etwas anderes machen. Ich sage ja gar nicht, dass wir durch unser Ding populärer geworden sind, ich sage nur, dass wir uns von der anderen Richtung wegbewegen möchten. Das wurde einfach zu langweilig!



Man kann auf dem Album sogar orchestrale Parts hören. Hattet Ihr denn ein Orchester zur Verfügung?!


Ville: Nein, wir haben ein Ein - Mann - Orchester!



Marko: Henri ist einfach sehr gut, was solche Orchestrierungen betrifft, auch Arrangements und alles mit dem Keyboard kann er hervorragend! Er hat ein eigenes Homestudio, in dem Ville und ich öfter vorbeischauen um zu hören, was er hat. Alles, was wir anderen ausarbeiten, geht durch seinen Filter, und er entscheidet, was am Ende in welcher Form genommen wird.



Ville: Wir haben nicht mal einen Rehearsal - Room. Er schreibt das meiste, und wenn er etwas hat, das seiner Meinung nach fertig ist, dann schickt er es uns per E-Mail. Wir hören es uns dann an und machen Verbesserungsvorschläge. Dann geht es so weiter.



Marko: Und alleine wegen Henri werden wir auch immer wieder mit FINNTROLL verglichen, weil er dort auch spielt. Das ist echt eine Sache, die ich nicht verstehe!! Definitiv nicht!!!



Hey, aber das wäre doch vielleicht eine Option für die Zukunft - ein Album, mit einem Orchester aufgenommen…


Ville und Marko: Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein! So viel Geld haben wir nicht, und so was wollen wir auch gar nicht machen!



Ville: Wir sind in erster Linie eine Rockband und sehen die Dinge viel erdiger. Wir klingen vielleicht manchmal bombastisch, wir arbeiten auch darauf hin. Aber wir wollen bodenständig bleiben und möglichst viel ohne Orchester, etc. durchziehen.



Ihr seid ja auch nächstes Jahr für das "Wacken Open Air" bestätigt. Ward Ihr schon mal dort? Es ist immerhin das größte Metal - Festival der Welt…


Marko: Nee, noch nicht! Wir sollten schon seit vielen Jahren dort spielen, aber es hat nie geklappt. Ich weiß auch gar nicht, warum das so lange gedauert hat, aber sie haben ihre Gründe, wir haben unsere. Jetzt ist es aber endlich soweit!



Ville: Der Hauptgrund, warum es nicht eher geklappt hat, ist der, den wir schon vorhin besprochen haben. Wir haben aus den Fehlern anderer Bands gelernt, die dort ungünstige Konditionen hatten und alles selbst tragen mussten. Jetzt freuen wir uns aber, da auftreten zu können, und es wird sicher ein sehr cooler Event werden! Unser größtes Festival war bisher das "Party.San".



Marko: Es ist definitiv eine riesige Chance für uns!